In Memoriam Alexander Popov

The kingdom of heaven is not a place, but a state of mind
John Burroughs

Wie wir vor Kurzem ungläubig aus Kirgisistan erfahren mussten, ist unser Bergführer und Freund Alexander Popov dieses Frühjahr am Pobeda Peak verstorben. Viel haben wir über die Umstände seines Todes nicht erfahren können, außer dass eine Lawine das gesamte Bergsteiger-Camp mitgerissen hat.

alexander

Alexander Popov, geb. 1960, † 2012

Alexander war ein lustiger Kauz. Klein gebaut, zäh wie eben alle russischen Bergsteiger, pünktlich und strikt beim Marschplan und Pausen, ein Bergführer der alten Schule. Mit ledernen Bergschuhen, einer abgeschnittenen Jeans, einer leichten Jacke und Flanellhemd hat er uns auf den Peak Prjevalsky geführt. Das hat Beate gleich einmal Respekt eingeflößt. Und sein Tempo erst. Alexander vorne, zurrt am Seil, Beate hinterher, und ich ganz hinten.

Klassisch auch seine Sicherungsmethoden: Behelfsbrustgurt mit einer Reepschnur, nach unten nachsichern à la Luis Trenker. Sehr gekonnt. Alexander hatte viel Erfahrung und ein gutes Gespür für die richtige Route. Sein Deutsch bestand aus den Vokabeln “Freundschaft” und “Frau”. Besser als sein Deutsch war gewiss seine Lieblingsbeschäftigung am Lagerfeuer: Speck in Stücke schneiden, am Spieß ins Feuer hängen, und dann genüßlich mit etwas Brot verdauen. Vodka zum Nachspülen. Das Lagerfeuer hat er immer vermisst, wenn wir schon irgendwo über der Schneegrenze biwakiert haben.

alexander

original Alexander, hier am Peak Prjevalsky

Von Alexander habe ich viel lernen können. Improvisieren. Immer einen Ausweg finden. Das Leichte in einer komplex aussehenden Route sehen. Ausrüstung ist wichtig, die Einstellung am Berg aber noch viel wichtiger. Und eine gesunde Portion Härte zu sich selbst. Das Leben in Karakol ist gewiss nicht leicht, und Alexander hat gewußt, wie er das anpackt.

Auch wenn wir nur gute zehn Tage gemeinsam am Peak Prjevalsky und Peak Karakol verbrachten haben, so sind die Erinnerungen an ihn sehr lebendig und machen uns traurig, dass er nicht mehr unter uns weilt. Er hat sein Leben in den Bergen gelebt, und es dort gelassen. Farewell, mein Freund.

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Alexander (Bildmitte) und sein Team

2 replies
  1. max says:

    Dem kann ich mich nur anschließen.

    Weißt du ob er als Führer oder privat unterwegs war und ob es noch andere Opfer gab?

    Viele Grüße,
    Max

  2. admin says:

    hallo Max,
    sehr sehr traurig diese Geschichte! Von Sergey habe ich nur erfahren, dass er dort beruflich unterwegs war und dass das Camp von einer Lawine verschüttet worden ist. Ich habe bei Sergey aber nicht nach weiteren Details nachgefragt, habe im Web aber keinen einzigen Hinweis auf das Unglück finden können. Die Vermutung liegt nahe, dass falls es weitere Opfer gegeben hat, es keine westlichen Kunden erwischt hat. Aber die “rote Linie” bei so einem Unglück ist oft sehr nah: einen Meter weiter, und schon überlebt man. Das hat man zuletzt beim Manaslu-Lawinenunglück gesehen. Und wie wir wissen, Alexander hatte immer sein eigenes, kleines Zelt …

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